Archiv für den Monat November 2015

Positionspapier 2015

Der Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V. hat das Positionspapier 2015 veröffentlicht. Dieses Papier soll Anstoß sein, die Erfahrungen der unterschiedlichen Alphabetisierungsprojekte zu bündeln, und in eine gemeinsame Richtung zu lenken. Nur so kann eine nachhaltige Arbeit entstehen. Wir haben über die Inhalte des Papiers gesprochen und uns gefragt, ob sie auch für unsere Arbeit richtungsweisend sein können.

  • Wir begrüßen Thesen 3, 5 und 10, die davon sprechen, Bürokratiehürden abzubauen, eine langfristige Finanzierung zu sichern und stabile Beschäftigungsverhältnisse für Lehrende in der Grundbildung zu schaffen.

    Photo credit: Nicolas Alejandro Street Photography /

    Photo credit: Nicolas Alejandro Street Photography / Foter.com / CC BY

  • Auch Thesen 7 und 8 scheinen uns wichtig. Hier geht es um eine arbeitsplatzorientierte Grundbildung, die Menschen mit Lese- und Schreibschwächen neue Wege in die Arbeit eröffnen kann. Wir hoffen auch, dass die Finanzierung von Grundbildung für Erwachsene durch die Orientierung am Arbeitsplatz leichter von der Agentur für Arbeit übernommen werden kann. Noch gibt es keine These, die sich ausdrücklich an die Grundbildung für Zugewanderte wendet. Auch hier wird es in Zukunft einen großen Bedarf geben.
  • Wir begrüßen ganz besonders die Thesen zum fachlichen Austausch (Thesen 9, 11 und 12), der uns weiterhin ein großes Anliegen bleibt.

 

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Das kann doch nicht wahr sein!

In Deutschland ist es nicht selbstverständlich, dass ein Erwachsener gut Lesen und Schreiben kann. Die leo.-Studie 2011 hat gezeigt, dass fast 40% aller Erwachsenen in Deutschland im Schriftlichen nicht ausreichend fit sind. Etwa 14,5% kommen über die Satzebene nicht hinaus. Das sind über 7,5 Millionen Männer und Frauen. Von ihnen haben 80% einen Schulabschluss und über die Hälfte hat einen Arbeitsplatz.

Die Ergebnisse der Studie ändern unseren Blick auf die Gesellschaft. Wir fragen uns: Wo sind diese Menschen? Wie kommen sie im Alltag zurecht?

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Politik mit 10-Jahresgarantie?

Photo credit: wnyc / Foter.com / CC BY-NC

Photo credit: wnyc / Foter.com / CC BY-NC

Am 8. September 2015 wurde in Berlin die Nationale Dekade zur Alphabetisierung und Grundbildung ausgerufen. Damit setzte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka die Schriftkompetenz deutscher Erwachsener weit oben auf die bildungspolitische Agenda.

In den nächsten zehn Jahren wollen Bund und Länder die Lese- und Schreibfähigkeiten von Erwachsenen in Deutschland deutlich verbessern. Laut Ministerin Wanka bedeutet das konkret:

  • Es soll mehr Angebote für Erwachsene geben, im Lesen und Schreiben wieder fit zu werden.
  • 180 Millionen Euro werden bereitgestellt, um Kurse zu fördern. Es sollen auch neue, alternative Lernmöglichkeiten geschaffen werden.
  • Deutsche und Zugewanderte werden aufgerufen, ihre Grundbildung zu stärken und zu ergänzen.
  • Medien, Bildungsträger und Arbeitgeber sollen ein Klima schaffen, das Mut macht, wieder mit dem Lernen anzufangen.

Wir freuen uns über diese Entwicklung, und dennoch fragen wir uns:

Macht Bundesbildungsministerin Johanna Wanka Politk mit einer 10-Jahresgarantie?

In Sachsen-Anhalt gibt es bislang nur auf kurze Laufzeiten befristete Projekte, die sich für Alphabetisierung und Grundbildung einsetzen. Diese können ein guter Start sein, doch damit ist es nicht getan. Noch gibt es kaum Festanstellungen für Lehrende in der Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener. Die Professionalisierung von Honorarkräften und ehrenamtlichen Helfern ist unter diesen Bedingungen nur schwer möglich. Wenn wir in Sachsen-Anhalt die Dekade zur Alphabetisierung und Grundbildung ernst nehmen wollen, brauchen wir mehr als eine Pressekonferenz.

Welcher Strukturen bedarf es in unseren Regionen, um die Ziele der Dekade nachhaltig zu erfüllen? Gehört die Grundbildung für Erwachsene nicht in jedes kommunale Bildungsmanagement?