Archiv der Kategorie: Einfache und Leichte Sprache

Sprache in ihrer ganzen Vielfalt

Das Deutsche Hygienemuseum in Dresden zeigt derzeit die Sonderausstellung Sprache. Welt der Worte, Zeichen, Gesten. Hier wird Sprache in mehreren Dimensionen greifbar – durch Mimik und Gestik, durch Hören und Sprechen, durch Schreiben.

Dokumente, Filme und andere Exponate werden in 4 Ausstellungsräumen präsentiert:

  1. Homo loquens – Wie wir Menschen zur Sprache kommen
  2. Denkbewegungen – Sinn und Sinnlichkeit unserer Sprache
  3. Redehandwerk – Macht und Magie der Sprache
  4. Sprachheimat(en) – Zugehörigkeit und Selbstbestimmung

dhmdDabei bietet die Ausstellung vielfältige praktische und kreative Möglichkeiten, Sprache zu erforschen und auszuprobieren.

Das Besondere: Neben Videos in Gebärdensprache gibt es auch Lese- und Hörtexte in Leichter Sprache, welche die wichtigsten Aspekte in den Ausstellungsräumen präsentieren und erklären. Über die Website des Museums können Informationen zur Ausstellung in Leichter Sprache abgerufen werden.

Das Deutsche Hygiene-Museum zeigt anschaulich, welche Funktion Leichte Sprache hat, und was Leichte Sprache leisten kann. Diese Form der Vermittlung nimmt die Besucher in ihrer ganzen Vielfältigkeit in den Blick – und das barrierefrei und ganz selbstverständlich. Denn als zusätzliches Angebot ist es gleichberechtigt neben den anderen Informationskanälen in das Ausstellungskonzept integriert. Eine gelungene Umsetzung und damit beispielhaft für Projekte und Aktionen anderer Museen und Kultureinrichtungen.

Die Ausstellung wird noch bis zum 20. August 2017 in Dresden gezeigt.

Foto-Quelle: Deutsches Hygiene-Museum

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Eine klare Ansage

Irland ist das erste Land weltweit, das seine Energiekonzerne verpflichtet hat, die Kundenkommunikation barrierefrei zu gestalten.

Den Anstoß gab eine Richtlinie der Europäischen Union. Sie sollte den Kundenservice der Energiebranche verbessern – für möglichst alle Nutzer: Für Menschen mit geringer (Schrift-)Sprachkompetenz, für Senioren, für Menschen mit Beeinträchtigungen und Menschen ohne Einschränkungen gleichermaßen.

Unterstützung gab es vom „Centre for Excellence in Universal Design“, einer irischen Behörde, die sich mit einem internationalen Gestaltungskonzept beschäftigt, das verschiedene Lebensbereiche für alle Menschen nutzbar machen soll. Die Energiebranche ist jetzt der erste irische Sektor, für den die Anwendung dieses Gestaltungskonzepts gesetzlich verankert wurde.

Die Energiekonzerne überarbeiten nunmehr ihre Dienstleistungen nach dem Standard der Richtlinie. Das bedeutet: Barrierefreier Schriftverkehr unter Verwendung einer klaren, einfachen Sprache ohne Fachbegriffe, die Einrichtung eines effizienten Anrufverteilers und eine Website, die auf den Nutzer ausgerichtet ist mit praktischen Hilfen beim Orientieren, Informieren und Navigieren.

Hier unterstützt Politik sinnhaft, gezielt und nachhaltig. Daumen hoch für ein gelungenes Beispiel, das Nachahmer sucht – also vielleicht auch bald in Deutschland?

Foto-Quelle: Universal Design Ireland

Einfache Sprache – gar nicht so leicht!

In Sachsen-Anhalt wollen wir uns stärker für den Gebrauch von einfacher Sprache einsetzen. Dazu haben wir auf diesem Blog schon Beiträge veröffentlicht, die in der Kategorie Leichte Sprache zu sehen sind. Es gibt leider viele Menschen, die meinen, mit einfacher Sprache würde wichtige Information verloren gehen. Genau das Gegenteil ist der Fall. Einfache Sprache konzentriert sich auf die wichtigsten Aussagen, und lässt alle umständlichen Nebeninformationen weg.

Hier ist ein Beispiel dafür, wie einfache Sprache in der politischen Grundbildung für die Bundestagswahl eingesetzt werden kann.

Wer sich einfacher ausdrücken möchte, muss genau wissen was Sache ist. Es ist auch hilfreich klare kurze Beispiele zu bringen. Wenn uns selber keine gute Formulierung einfällt, nutzen wir das Huraki Wörterbuch für leichte Sprache. Dort werden viele Themen einfach und klar erklärt. Das Wörterbuch ist online, kostenlos und immer aktuell.

 

 

 

 

Gesagt, aber nicht getan!

Die Mehrheit der Deutschen liest auf Sprachniveau B1 oder niedriger. Das nennen wir ’normales Deutsch‘. Trotzdem schreiben die meisten Betriebe und Behörden ihre Texte auf dem höheren Sprachniveau C1. Das entspricht dem, was auf der Fachhochschule vorausgesetzt wird.

Das soll sich nun ändern. Der Landtag von Sachsen-Anhalt hat schon im Juli 2013 beschlossen, „einfache Sprache“ populär zu machen und eigene Publikationen dafür zu nutzen (Drucksache 6/2250).

Drei Jahre später, im Juni 2016, fragten wir nach,  welche Publikationen in einfacher Sprache inzwischen zugänglich sind. Uns wurde daruafhin mitgeteilt, ein solches Angebot halte der Landtag derzeit nicht vor. Perspektivisch soll es dies aber geben. Erste Planungen und Überlegungen dazu gäbe es bereits.

Wann mit einer konkreten zeitlichen Umsetzung zu rechnen sein wird, konnte man uns aufgrund des derzeitigen Planungsstandes nicht mitteilen.

Gesagt, aber nicht getan! Wenn wir wirklich wollen, dass alle verstehen, was Politiker und Behörden sagen, müssen wir Texte in einfacher Sprache einfordern. Von alleine passiert sonst nicht viel.

Photo credit:Peter Zuco via DesignHunt / CC BY-SA chinesisch

Wer ist betroffen?

In der Welt der Alphabetisierung und Grundbildung sprechen wir oft von den “Betroffenen”. Dieses Wort meint Menschen, die beim Lesen und Schreiben Probleme haben und deshalb Formulare und Texte nicht gut verstehen können. Laut leo.-Level-One Studie kommt jeder 7. deutschsprachige Erwachsene nur mit Mühe über die Satzebene hinaus. Weitere 25,9% der Bevölkerung (jeder vierte Erwachsene) sind im schriftlichen unsicher und haben Probleme längere Texte zu verstehen.  Das sind zusammen fast 40%!

Photo credit: Todd Berman via Interior Design / CC BY-NC-SA

Wir können nicht 40% der Gesellschaft durch Schrift ausgrenzen!

Die Ergebnisse der Studie führen zu betroffenen Reaktionen. Gerade die Menschen, die Lesen und Schreiben für selbstverständlich halten, sind konsterniert. Für sie ändert sich der Blick auf die Gesellschaft. Sie merken, dass Schriftsprache eine Barriere sein kann. Für viele Menschen ist der Alltag mit Schrift vielleicht nicht so einfach, wie es scheint.

Das Thema betrifft uns alle. Entweder sind wir betroffen, weil wir mit Texten Probleme haben – oder weil wir durch komplizierte Sätze es anderen schwer machen.

40% sind keine Randgruppe

Die leo.-Level-One Studie zeigt, dass insgesamt 40% aller Erwachsenen sehr schnell durch Schrift ausgegrenzt sind. Das ist fast die Hälfte der aktiven erwachsenen Bevölkerung in Deutschland! Sehr viele dieser Menschen haben kein Problem im Leben zurechtzukommen, wenn sie sich mündlich orientieren können. Auch Bilder und You Tube Videos helfen ihnen, die Information zu bekommen, die sie brauchen. Dennoch trauen sich viele Erwachsene, die im Schriftlichen unsicher sind, nicht um Hilfe zu bitten, wenn sie mit einer Schriftsituation überfordert sind.

Schriftsprache kann eine Barriere sein

Der Landtag von Sachsen-Anhalt hat im Juli 2013 beschlossen, etwas dagegen zu tun. In seiner 49. Sitzung (Drucksache 6/2250) hat er sich für die Förderung von Alphabetisierung und Grundbildung ausgesprochen. Dazu gehört auch der Beschluss, „einfache Sprache“ populär zu machen und eigene Publikationen dafür zu nutzen. Mit diesem Beschluss sollen auch die Medien unterstützt werden. Die Nationale Dekade zur Alphabetisierung und Grundbildung möchte alle Menschen in ihrer Teilhabe stärken.

Photo credit: Todd Berman via Interior Design / CC BY-NC-SA

Weltgesundheitstag 2016

Am 7. April ist Weltgesundheitstag. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stellt in diesem Jahr das Thema Diabetes in den Mittelpunkt. Die WHO geht davon aus, dass Diabetes bis zum Jahr 2030 zu den sieben weltweit führenden Todesursachen zählt. Auch in Deutschland sind jedes Jahr etwa 7,2 % der Bevölkerung betroffen.

Diabetes muss nicht sein. Ein hoher Anteil an Diabetesfällen wäre vermeidbar, sagt die WHO. Wer sich täglich etwa 30 Minuten moderat bewegt und sich gesund ernährt, kann das Risiko für die Entwicklung eines Typ 2-Diabetes drastisch reduzieren.

Menschen, die nicht gut lesen und schreiben können, haben es oft schwer sich über Themen wie Diabetes zu informieren und Vorsorge zu treffen.

Wir empfehlen dazu folgende Links in Leichter Sprache:

Kennen Sie diese Bilder?

Es gibt eine neue Bildersprache am Arbeitsplatz. Es geht dabei um Gefahren-Piktogramme in der EU. Die neuen Piktogramme haben die Form einer roten Raute mit weißem Hintergrund und ersetzen die alten orangefarbenen rechteckigen Symbole. Seit dem 1. Dezember 2010 sind bereits einige Stoffe und Gemische nach der neuen Vorschrift gekennzeichnet, die alten Piktogramme dürfen jedoch noch bis 1. Juni 2017 verwendet werden.

Die neue Bildersprache ist besonders wichtig für Menschen, die nicht gut lesen können.