Archiv der Kategorie: Allgemein

Zurück in die Steinzeit!

In dem folgenden Vortrag über Visualisierung wird deutlich, welche Rolle unsere Sinne beim Lernen spielen.  Dieses Video ist nicht nur inhaltlich interessant Es erinnert uns auch daran, dass unsere Fäühigkeit zu lernen sehr eng mit unserem Überlebenstrieb verbunden ist. Weiterhin ist dieses Video auch ein gutes Beispiel dafür, wie die Digitalisierung uns bei der Wissensvermittlung und dem lebenslangen Lernen unterstützen kann.

Wenn Sie sich den Film anschauenDie Wissenvermittlung findet für Sie per Internet statt, . Nun bleibt die Frage, was Sie zusätzlich noch brauchen, damit Sie diese neuen Erkenntnisse nicht nur als „interssant“ abspeichern, sondern in eine persönliche  Kompetenz umsetzen. Die Antwort auf diese Frage interessiert uns natürlich sehr. Sie ist richtungsweisend, denn sie macht den Kern des Lebenslangen Lernens aus.

In seinem Buch „Wissensorientierte Unternehmensführung – Wertschöpfen durch Wissen“ stellt Klaus North eine treppenartige Informationskette dar, in der der Weg von Information zu Wissen, Kompetenz und Wertschöpfung beschrieben wird. Interessant dabei ist sein Argument, dass sich in folgenden Gleichungen darstellen läüsst:

Information + Bedeutung = Wissen

Wissen + aktiver Verarbeitung = Können

Können + Anwedungsbezug = Handeln

Handeln + Wollen = Kompetenz

Ist dies ein Rezept für die Zukunft? Wer weiß.

 

 

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Vorm gefüllten Kühlschrank verhungern…

Zum Beginn des neuen Schuljahres wird in Sachsen-Anhalt wieder einmal über Lehrermangel geklagt. Eltern fragen sich, was aus der Bildung ihrer Kinder werden soll, wenn das bestehende Personal überfordert ist und es immer mehr Ausfallstunden im Studenplan geben wird. Als Grundbildungsprojekt, das gewissermaßen das auffangen soll, was in der Schule nicht gut gelaufen ist, können wir diese Fragen und Ängste gut verstehen. Dennoch wollen wir nicht einfach in die Schwarzmalerei einsteigen. Bildung ist nicht in Stein gemeißelt und gerade in der Wissengesellschaft gibt es viele neue spannende Möglichkeiten, Bildungsangebote zu gestalten. Wir fragen uns, warum so wenig Alternativen zur lehrerdominierten Wissensvermittlung in die Diskussion einfließen. Wozu gibt es denn das Internet?

Mit Internet meinen wir nicht nur die Suchmaschine Google, sondern die vielen offenen und kostenfreie Bildungsangebote, die es inzwischen im Netz gibt. Von Vorträgen zu Erklärvideos, lehrbuchbegleitenden Aufgaben und online-Tutoren ist alles dabei. Wenn wir uns diese Vielfalt und hervorragende Qualität anschauen, wird erst deutlich, wie sehr unsere veralteten, schulgebundenen Vorstellungen vom Lernen uns blockieren. Dadurch wird auch ein falsches Mangeldenken geschürt. Wenn wir an der Vorstellung von Lehrenden als Bildungshoheit festhalten, werden Kinder und Erwachsene in kommenden Jahren „vorm gefüllten Wissens-Kühlschrank verhungern“. In der Gesellschaft gibt es dann langfristig auch einen brisanten Grundbildungsbedarf.

In 2007 gab es in Kapstadt, Südafrika die erste öffentliche Erklärung zum freien, offenen Lernen für Schüler und Erwachsene. Diese internationale Initiative hat die Entwicklung von Wikipedia und anderen offenen Plattformen im Internet gebündelt und eine neue netzwerkende Haltung unterstützt. 2014 wurde in Deutschland endlich das White Paper OER in der Schule vorgestellt. Ein Blick in dieses Paper lohnt sich, da es nicht nur die Möglichkeiten des offenen Lernen benennt und die (nicht übermäßig teueren) technischen Bedingungen dafür ausführt. Es zeigt auch sehr deutlich, wer an Einfluss und Macht verlieren wird, wenn Bildung auch außerhalb der offiziellen Bildungseinrichtungen möglich wird.

Ganz unhabhängig von den trägen Diskussionen um das offene, internetgestützte Lernen für Schüler, gibt es drei Faktoren in dem jetzigen Modell Schule, die uns in Sachsen-Anhalt daran hindern könnten, die Lernmöglichkeiten im Internet zu nutzen, und lebenslange Lernende zu werden:

  1. Zum offenen Lernen braucht man Lehrende, die zum Dialog fähig sind und sich selbst in Frage stellen lassen. Leider wird die Wissensvermittlung und Deutungshoheit der Lehrenden traditionell nicht als Dialog gedacht. Gespräche in der Schule sind traditionell Lehrer-Monologe mit „Abfrage“. Dadurch lernen Schüler nicht,  ihrem eigenen Wissen zu vertrauen und es als Basis zu nutzen, um eigenständig weiter zu lernen. Ohne das nötige  „Selbstvertrauen“ ist lebenslanges Lernen nicht möglich.
  2. In vielen Schulen sieht Lernen so aus, dass der Lehrende Fragen stellt und Lernen bedeutet „die richtigen Antworten“ zu suchen. Eine spontante Neugierde, kritische Fragen oder Eigeninitiative der Schüler sind im Regelwerk der Schule nicht erwünscht. Sie werden auf „Projekttage“ oder „Leerzeiten“ abgeschoben.  Neugierde, die weggedrückt wird, verkümmert. Ohne diese Neugierde allerdings, verschwinden die eigenen Fragen und damit die Motivation für sich selbst zu lernen.
  3. Lernen braucht einen Menschen, der uns zum Risiko des „Neuen“ ermutigt. Wirkliches Lernen ohne belastbare „Lernbeziehung“ hält kaum einer durch. Für gute Lern-Beziehungen, jedoch, gibt es im Schulbetrieb kaum Zeit. So sehen sich die Lehrenden schnell in der Rolle, dass Sie Schüler zu ihrer Entwicklung „zwingen“ müssen, besonders wenn es um die Übungsphase geht. Die Lernbeziehung wird zum Umschlagplatz für Frust und Machtkämpfe, die eigentlich woanders hingehören. Der eigene Antrieb „für sich selbst zu lernen“ kann in diesen Konstellationen nur schwer genährt werden.

Schauen wir uns doch die Gesichter der LehrerInnen und SchülerInnen an, die uns in diesen Tagen wieder  früh in den Bussen, Bahnen und auf den Gehwegen begegnen. Selbstmotiviert, neugierig, fragend und dialogfähig wirken sie eigentlich nicht mehr. Leider.

Die wirklich wichtige Bildungsfrage für unseren Landkreis ist nicht, wo die (fehlenden) Lehrkräfte herkommen sollen, sondern mit welcher Haltung die jetzigen LehrerInnen in die Schule gehen. Verteilen sie winzige Portionen eines zunehmend veralteten Wissenskanons, oder bereiten Sie unsere Kinder auf 70 Jahre selbstbestimmtes, lebenslanges Lernen vor?

Foto: cc Thad Zejdowicz, cc Pixabay

 

Neuer Anfang – leicht gemacht

Am 1. August beginnen viele junge Erwachsene in Sachsen-Anhalt ihre Ausbildung. Damit der erste Arbeitstag gut klappt, muss einiges vorbereitet werden. Hier ist ein kleines Erklärvideo, das dabei helfen kann:

Explainity macht viele gute Erklärvideos zu Themen, die für die Grundbildung Erwachsener interessant sind. Der Vorteil von Erklärvideos ist, dass man sich das Video mehrmals anschauen kann, auch zu Hause.

Im lebensbezogenen Unterricht kann ein Video auch leicht eingesetzt werden. Es reicht hier, zum Beispiel, eine einfache Frage zu stellen, die unsere Aufmerksamkeit erhöht:

Welche drei Behördengänge muss ich erledigen, ehe mein erster Arbeitstag beginnt?

 

(Wie bei allen Videos, die wir auf dem Blog teilen, übernehmen wir keine Haftung für fehlende Inhalte oder Veränderungen, die der Betreiber des You Tube Kanals vorgenommen hat, seitdem wir den Link geteilt haben.)

Mondlandung!

Vor 49 Jahren hat Neil Armstrong die ersten Schritte auf den Mond gewagt. Damals meinte der amerikanische Astronaut, es war “ ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein  Riesensprung für die Menschheit.“

Wie hat die Menschheit diesen Sprung geschafft? Die Antwort, laut Danny Stillion, der das lebenslange Lernen erforscht, liegt auf der Hand:

  • Neugierde
  • Empathie
  • Passion oder Leidenschaft

Die Summe dieser drei Eigenschaften öffnet unbegrenzte Möglichkeiten für den Menschen. Sie sind die Grundlage für das lebenslange Lernen, das zu wirklichen Veränderungen führt. In einem sehr interessanten TED Vortrag zeigt er auch, wie gerade unsere Fähigkeit zur Empathie uns dazu bringt immer wieder freiwillig und selbst-motiviert zu lernen.

In unserer Haltung zur Grundbildung sind wir leider davon noch weit entfernt.

 

Macht es noch Sinn?

In dem aktuellen Bildungsbericht der Kultusminister-Konferenz wird deutlich, dass „Bildung“ ein neues Konzept sucht.

„Die Bildungsinstitutionen selbst sollten ebenso in den Blick genommen werden. Ziel muss es sein, diese gemeinsam mit den Beteiligten zu angemessenen, entwicklungsfähigen, zukunftsorientierten und zugleich nichtseparierenden Lernumwelten weiterzuentwickeln. Die Institutionen selbst müssen in ihren Strukturen insoweit offen sein, dass sie zukünftigen Anforderungen entsprechen können – z. B. hinsichtlich der zunehmenden Digitalisierung als Herausforderung und Chance. Bildungsinstitutionen und Bildungsangebote sind zugleich so zu gestalten, dass sie verstärkt als Orte der Kooperation geplant, eingerichtet und wahrgenommen werden und zunehmend flexibel agieren können. Dies beginnt bei der multifunktionalen Nutzung der jeweiligen Räumlichkeiten als „Zentren des Lernens“. Es schließt auch ein, Bildungsangebote unterschiedlicher Art und von unterschiedlichen Trägern lokal zu verknüpfen und zu vernetzen.“ (Bildung in Deutschland 2018, S. 34, „Herausforderungen“).

Begriffe wie Kooperation, flexibel, zukunftsorientiert und offen sprengen die Strukturen, in denen derzeit Bildung geplant, finanziert und durchgeführt wird. Dennoch ist es deutlich, dass Menschen, die sich langfristig an der gesellschaftlichen Entwicklung aktiv beteiligen wollen, im digitalen Zeitalter dauerhaft lernen müssen.

Anja Wagner warnt in ihrem Newsletter vom 15.Juli 2018, dass die Idee, netzwerkende, lebenslange Lernräume zu schaffen, uns nicht von unserem lähmenden Bildungsdünkel befreit:

„Die grundsätzliche Ausrichtung entlang institutioneller Träger wird dabei nicht in Frage gestellt, sondern man orientiert sich in der Argumentation an der tatsächlichen oder sollen wir lieber sagen: vermeintlichen Nachfrage. Denn die Nachfrage orientiert sich ja an der kulturellen Hegemonie, also was der Mainstream denkt, wie man sich bzw. seine Kinder bildungs-technisch aufstellen müsste… Und diese Gedanken sind nun mal nicht wissenschaftlich fundiert, sondern entsprechen eher dem Stammtisch-Denken, wie es in den Talkshows praktiziert wird.“

In der Tat zeigt der Bildungsbericht (vgl. S. 376) wie groß die Herausforderung ist, das lebenslange Lernen als Konzept in der Erwachsenenbildung sinnvoll zu verankern. Seit 2012 ist die Weiterbildungsquote nicht gestiegen, obwohl wir zunehmend in einer Bildungsgesellschaft leben. Aber selbst die mageren 50%, die sich überhaupt weiterbilden, versprechen sich nicht viel davon. (Klicken Sie die Tabelle an, um sie zu vergrößern. Der Blick in die Zahlen lohnt sich!)

Das bedeutet konkret, dass wir keine Grundbildungsstrategie durchsetzen können, wenn wir nicht die derzeitige Haltung von Menschen zum Lernen thematisieren. Dazu gehört auch die Vorstellung als Gesellschaft Erwachsenenbildung „nicht nötig“ zu haben. Was nutzen gute Konzepte, Angebote, Strukturen und Werbung, wenn einzelne Bürger – egal aus welchen Umständen sie kommen – so anspruchslos bleiben?

Fotos: Pixabay.de, Bildungsbericht 2018

Naumburg ist Welterbe!

Der Naumburger Dom in Sachsen-Anhalt ist Anfang Juli in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen worden. Laut Medienberichten würdigte das Welterbekomitee mit seiner Entscheidung die künstlerischen Qualitäten des Doms. Der Naumburger Dom sei ein „Meisterwerk menschlicher Schöpferkraft“ und gebe einen Einblick in Kunst, Architektur und Technologie seiner Zeit. Besonders wichtig ist dabei die einzigartige Arbeit des Naumburger Meisters . Mit ihrer zeitlosen Emotionalität locken Stifterfiguren wie Reglindis und Uta heute noch viele Besucher in den Dom.

Weniger beachtet, aber weitaus revolutionärer, ist für uns die Darstellung der biblischen Geschichte am Westlettner des Doms. Für gewöhnliche Menschen, die weder Latein verstehen noch lesen konnten, übersetzte der Naumburger Meister auf geniale Weise die Bibel in die Sprache des Volkes. Ganz unabhängig von der Interpretation der Kirche konnten sich die Naumburger – mit Hilfe der Reliefs am Lettner – selber ein Bild von der „Wahrheit“ der Leidensgeschichte Christi machen. Wie in einem modernen Cartoon wird in den Steinbildern des Meisters eine mitreißende Geschichte von von Freundschaft, Verrat, Gewalt und Hoffnung erzählt.

Grundbildung und Teilhabe sind auch heute noch Anliegen im Naumburger Dom. Ganz nach der Tradition des Naumburger Meisters sollen Sprache und Schrift keine Barriere sein. Gemeinsam mit Blickpunkt alpha und dem Caritas Behindertenwerk in Osterfeld ist schon 2017 eine Führung in leichter Sprache entstanden. Auch eine Broschüre über den Dom in leichter Sprache wurde entwickelt.

Mit dem Welterbetitel haben wir, laut Landrat Götz Ulrich, die Aufgabe die einzigartige Kostbarkeit des Doms nicht nur für Touristen, sondern auch für alle Bürger des Landkreises greifbar und erlebbar zu machen. Das ist eine Grundbildungsaufgabe, die uns weiterhin viel Freude machen wird!

Wer sich heute schon auf den Weg machen möchte, kann mit einer virtuellen Tour starten. Sie beginnt hier.

Fotos: Die Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz und Blickpunkt alpha