Archiv der Kategorie: Offene Lernangebote

Viele Menschen, die nicht gut lesen und schreiben können, wollen keine Alphabetisierungskurse besuchen. Welche Angebote würden sie locken? Wir begleiten das Lesecafé in Naumburg und tauschen Erfahrungen aus.

Adam, Eva und das Grundbildungstabu

In der Grundbildung gilt „funktionaler Analphabetismus“ als „Tabuthema“. Oft hören wie die Erklärung, dass Anmeldungen in Grundbildungskursen einfach tabu sind. Menschen die nicht gut lesen und schreiben können, wollen sich nicht „outen“. Die Presse berichtet immer wieder von Menschen, die sich durchs Leben mogeln. Wir alle nehmen die Tabusprache leicht in den Mund, aber sind uns oft nicht bewusst, wie stark ein Tabu wirkt. Wir merken auch nicht, wie wir selbst durch diese Sprache Tabus erhalten.

Wenn wir uns Tabus in anderen kulturellen Kontexten anschauen, sehen wir, dass alle Tabus den Interessen der bestehenden Gesellschaft dienen. Es ist einerlei, ob es sich bei dem Tabu um Jade bei den  Maori, gemischte Ehen im rassistischen Apartheidsstaat oder Sexualität in der Aidskrise handelt. Ein Tabu bewirkt immer eine soziale Dynamik, die es schwer macht, die Gesellschaft zu hinterfragen. Wie diese Dynamik funktioniert, können wir mit der Geschichte von Adam und Eva leicht erklären. Sie ist eine der ältesten Tabugeschichten aus unserem Kulturkreis. Wer die Geschichte nicht gut kennt, findet sie hier.

Tabu-Schritt 1: Eine Sache, Thema oder Ort  wird als „tabu“ erklärt. Es gibt ein allgemein anerkanntes Verbot sich mit bestimmten Fragen, Orten oder Personen zu beschäftigen. Das Verbot verschleiert wichtige Information darüber, wie Macht und Teilhabe in der Gesellschaft funktioniert.

Tabu-Schritt 2: Wer sich nicht an das Tabu hält, durchschaut die Verschleierung, darf dann aber nicht mehr Teil der Gruppe bleiben. Es gibt fortan eine Gruppe vom Tabu „Betroffener“, die ausgegrenzt werden kann. Als Adam und Eva vom Baum der Erkenntnis essen, begehen sie einen Tabubruch und werden aus dem Paradies vertrieben.

Tabu-Schritt 3: Bei einem Tabubruch wird die Frage nach Verantwortung und Schuld gestellt, und immer auf Kosten der Betroffenen beantwortet. So lässt es sich leicht sagen, dass Adam und Eva selbst schuld sind, wenn sie nicht mehr im Paradies bleiben können. Die Frage, ob Gott eine Verantwortung gehabt hätte, sie vor der Schlange zu schützen, wird nicht gestellt.

Tabu-Schritt 4: Die Ausgrenzung wird durch Scham und Beschämung vollzogen. Durch die Scham werden weitere kritische Fragen verhindert. Adam und Eva schämen sich nun dafür, dass sie so sind, wie Gott sie gemacht hat, nämlich nackt. Durch die Scham fällt ihnen nicht auf, dass es ja vorher, in ihrem unbewussten Zustand, niemandem geschadet hat, nackt zu sein. Noch heute sprechen wir bei Nacktheit von einer natürlichen Scham, obwohl Scham ein kulturelles Konstrukt ist und daher nie „natürlich“ sein kann.

Tabu-Schritt 5: Die wirklichen Machtverhältnisse bleiben verschleiert, die Realität wird stabilisiert und das Tabu bleibt erhalten. Es gibt weiterhin Gott im Paradies, aber die ausgegrenzten Menschen müssen jetzt einen anpassenden „Mehrwert“ leisten, um diesen Zustand wieder zu erreichen.

Wenn wir von einem Tabu in der Grundbildung sprechen, sollten wir mehr tun, als fehlende Teilnehmer in Volkshochschulkursen zu entschuldigen. Wir sollten mutiger sein und dann auch offen über die Tabudynamik im Bildungsbereich sprechen.

Wie funktioniert Macht und Teilhabe in der deutschen Erwachsenenbildung? Was soll verschleiert werden? Warum?

Was für eine Erkenntnis haben Menschen, die sehr wenig oder fehlerhaft Lesen und Schreiben?

Warum ist diese Erkenntnis für das System so gefährlich, dass sie als „Betroffene“ beschämt und ausgegrenzt werden müssen?

Fotos: pixelio.de

 

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Warum Grundbildung?

Mit dem Beginn der Nationalen Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung besteht kein Zweifel, dass Grundbildung für Erwachsene in Deutschland als wichtiges Bildungsthema erkannt wurde. Auf der einen Seite machte die Veröffentlichung der leo.-Level 1 Studie deutlich, wie viele Menschen auf Grund ihrer fehlenden Schriftkompetenzen in ihrer Teilhabe eingeschränkt sind. Auf der anderen Seite bringen die rasanten Veränderungen in der modernen Wissensgesellschaft immer neue Anforderungen an alle Menschen heran. Schon fast 40% der erwachsenen Bevölkerung sind laut leo.- Studie mit den Komplexitäten des heute üblichen Schriftverkehrs überfordert. Aber auch für die restlichen 60% ist die kontinuierliche Entwicklung ihres Wissens und Fähigkeiten eine wichtige Voraussetzung für Teilhabe in der Gesellschaft und am Arbeitsmarkt.

Es wäre daher kurzsichtig, Grundbildung für Erwachsene (nur) als „Nachholbildung“ für eine Randgruppe in der Gesellschaft zu verstehen. Der große und stete Bedarf an Grundbildung ist dem Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft geschuldet, der unser soziales Erleben zunehmend fragmentiert, aber auch (paradoxerweise) globalisiert. Wenn Erwachsene aktiv und selbstbestimmt mit dieser Dynamik umgehen sollen, brauchen sie formale und informelle Lernorte, in denen sie befähigt werden, die vielfältigen Veränderungen aufzugreifen und als neue Chancen für sich und ihr Umfeld zu nutzen. Zukunftsorientierte Grund-Bildung sollte somit den Blick nicht in erster Linie auf die defizitäre Bildungs-Grundlage richten, sondern auf den veränderten Kompetenzbedarf, d.h. auf den aktuellen Grund-für-Bildung.

Grundbildung ist also kein feststehend definierter Begriff. Er muss dynamisch verstanden werden. Dynamisch wird er aber erst, wenn er die lebenslange Bildung von Erwachsenen nicht in erster Linie inhaltlich oder institutionell festmacht, sondern sich lebensbegleitend sowohl wirtschaftlich als auch kulturell definiert. Dynamische Grundbildung kommt einer steten Lern-Bewegung gleich. Für eine zukunftsorientierte Grundbildung brauchen wir somit in unseren Kommunen vor allen Dingen eine öffentliche Kultur des Lernens, die allen Bürgern, unabhängig von ihrer sozialen Stellung, in Bewegung zu bleiben, ihre Talente zu entdecken und sich weiter zu entwickeln. Die Verantwortung liegt bei den Kommunen sich selbst als wandelbares Gefüge zu verstehen, das zum Lernen Mut macht, unkomplizierte und sinnvolle Bildungswege aufzeigt und Zugänge schafft.

Der stete Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft ist ein wichtiger Grund, der für eine flächendeckende Grundbildung für Erwachsene in unseren Kommunen spricht. Ein zweiter Grund ist die politische Stabilität unserer Kommunen, die von einer mündigen Teilhabe der Bürger abhängig sind. Obwohl der politische Aspekt der Grundbildungsarbeit selten explizit formuliert ist, ist die grundsätzliche Verknüpfung von gesellschaftlicher Teilhabe und Grundbildung in den Werten der demokratischen Gesellschaft verankert. Wer Demokratie will, muss immer etwas dafür tun.

Vom Wert der Dummheit

Hier ist eine schöne Schildbürgergeschichte, die uns erklärt, warum Grundbildung bei Erwachsenen oft so unbeliebt ist:

Ein Schildbürger fuhr mit seinem Sohn in die Kreisstadt zum Schulmeister und sagte: „Man lobt deinen Unterricht. Deshalb möchte ich meinen Jungen ein wenig bei dir lassen.“„Was weiß er denn schon?“, fragte der Lehrer und hörte dabei nicht auf, einen Schüler zu verprügeln. „Er weiß nichts“, antwortete der Schildbürger. „Und wie alt ist er?“, fragte der Lehrer weiter. „Erst dreißig Jahre“, meinte der Schildbürger entschuldigend, „was kann er da schon gelernt haben! Ich selber bin fünfundsechzig Jahre alt und weiß nicht das Geringste!“

photo-credit-jimforest-via-foter-com-cc-by-nc-nd „Also einverstanden“, erklärte der Schulmeister. „Lass ihn hier! Doch wenn er nicht pariert und lernt, kriegt er von mir genau so viel Prügel, als ob er zwölf wäre!“ Das war dem Schildbürger recht. Er versprach auch, die Erziehung gut zu bezahlen. Dann gab er seinem Jungen zum Abschied eine Ohrfeige und wollte gehen.

„Einen Moment!“ rief der Lehrer. „Wie lange soll er denn in meiner Schule bleiben? Wann holst du ihn wieder ab?“ „Bald“, sagte der Schildbürger. „Denn viel braucht er nicht zu lernen. Es genügt, wenn er so viel weiß wie du!“ Das ärgerte den Lehrer ein wenig, und er wollte ganz genau wissen, wann der Junge abgeholt wird. „Ganz genau kann ich’s dir nicht sagen“, meinte der Schildbürger. „Es hängt davon ab, wie lange euer Schmied braucht, meinem Pferd ein Hufeisen festzuschlagen. Es hat auf der Herfahrt sehr geklappert. Sobald das Eisen fest ist, hol ich ihn wieder ab.“ „Du bist wohl nicht bei Verstand?“ rief der Schulmeister. „Und wenn ich deinen Bengel prügele, bis mir der Arm weh tut, auch dann müsste ich ihn mindestens ein Jahr hier behalten, damit er etwas lernt!“

Da nahm der Schildbürger seinen dreißigjährigen Sohn wieder bei der Hand und ging fort. In der Tür sagte er nur noch: „Dass Lernen weh tut und Geld kostet, ist ja noch in Ordnung. Doch ein Jahr Zeit ist mir dafür zu schade. Dann soll er lieber so dumm bleiben wie sein Vater.

Noch mehr Schildbürger-Bildungs-Geschichten gibt es hier.

Photo credit: jimforest-via-foter-com-cc-by-nc-nd

 

Bildung 2030

Eine Dekade der Alphabetisierung in Deutschland – und was dann?

Diese Frage beantwortet das Bildungsprogramm der UNESCO, das die Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung weiterführt.  Mit der Incheon Deklaration und dem Bildungsministertreffen im November 2015 stellte die UNESO den globalen Aktionsrahmen „Bildung 2030“ vor. Das Ziel des Aktionsrahmens ist hoch gesteckt. Bis 2030 soll es inklusive, chancengerechte und hochwertige Bildung für Menschen aller Altersstufen geben. Lebenslanges Lernen für alle – da ist auch die Grundbildung für Erwachsene gefragt. Inhalte des Aktionsrahmens finden sie hier.

Die ersten Reaktionen in Deutschland auf Bildung 2030 richteten den Blick auf die Bildungsbedarfe in der dritten Welt. Durch Pressemitteilungen, wie z.B. die der BMZ entstand der Eindruck, dass die Bildungsarbeit in erster Linie Entwicklungsländer betrifft.  Das ist ein falscher Eindruck, denn in Sachen Grundbildung für Erwachsene ist Deutschland selbst noch Entwicklungsland.

E-learning todayLeider gibt es in Deutschland die hochwertige und flexible Grundbildung von Erwachsenen, wie sie in Bildung 2030 vorgesehen ist, noch nicht. So ist auch Deutschland nun gefordert, die Bildungsagenda 2030 umzusetzen. Dazu hat sich im Juni 2016 die Deutsche UNESCO Kommission getroffen. Wichtige Erkenntnisse  der  Potsdammer Tagung waren:

  • Lebenslanges Lernen ist die Grundlage einer funktionierenden Demokratie.
  • Chancengerechtigkeit in der Bildung ist nach wie vor ein zentrales Problem in Deutschland.
  • Die Veränderung von Bildung durch die fortschreitende Digitalisierung ist eine zentrale Herausforderung in der Bildungspolitik.

Was bedeutet Bildung 2030 für die Nationale Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung?

board-1273128_1920-pixabayEs wäre fatal, wenn Deutschland in der Grundbildung für Erwachsene den Alphabetisierungszielen von 2013 „nachhecheln“ würde. Uns scheint es sinnvoller, Grundbildung gleich auf die Ziele von 2030 auszurichten. Dazu gehört dann auch, Grundbildung nicht länger als „Nachholbildung“ zu verstehen. Wir müssen stattdessen die bundesweit entstehenden Grundbildungszentren als Lernorte konzipieren, die Menschen lebenslang befähigen „am Ball zu bleiben“. Grundbildung muss flexibel und offen gedacht werden, damit sie alle Erwachsenen im steten Wandel der Gesellschaft unterstützen kann.

Aktuell, vielfältig und demokratisch – so gut kann Grundbildung sein!

Photo credit: pixabay

Null Bock auf die Zukunft?

Sachsen-Anhalt ist Schlusslicht in der deutschlandweiten Schulabbrecher-Statistik. 9,2 Prozent der Heranwachsenden verlassen das Bildungssystem hierzulande ohne Abschluss. Zwar sank die Abbrecherquote in Sachsen-Anhalt seit 2008 von damals 13,6 Prozent,  doch eine weitere Verbesserung ist nicht in Sicht. Dies berichtete das Naumburger Tageblatt.

Als Projekt, das sich für die Grundbildung Erwachsener stark macht, fragen wir uns natürlich, was aus diesen jungen Menschen wird. Ein Jugendlicher, der aus der Schulstatistik fällt, bleibt der Gesellschaft dennoch erhalten – und das nicht nur für kurze Zeit. Wer mit 14 oder 15 aufhört zu lernen, lebt – statistisch gesehen – noch weitere 63 Jahre mit Grundbildungsbedarf. Eine Bildungsbiografie ist eben mehr als eine kurze Schulgeschichte. Sie ist gelebtes Leben, in dem es immer um Grundkompetenzen für Teilhabe geht.

Im südlichen Sachsen-Anhalt leben viele Menschen, die schon als Jugendliche den Übergang von Schule in den Beruf nicht geschafft haben. Viele von Ihnen wollen nicht mehr in die Schule zurück. Wenn sie beim Lesen und Schreiben Schwierigkeiten haben, sehen sie für sich auch keine Möglichkeit in einer Ausbildung zu bestehen. Dabei hat die Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung gute Bedingungen geschaffen, damit jeder lernen kann. Dazu gehört die assistierte Ausbildung, die im Juni 2016 von der EU beschlossene skills guarantee und die Ausweitung der Weiterbildungsmöglichkeiten auf Grundkompetenzen im SGB3, §81.

Wenn wir die 9,2% der Schulabbrecher von 2014 und die 14,5% funktionaler Analphabeten der leo.-Level-One Studie von 2011 zusammenzählen, existiert jede/r vierte Erwachsene in Sachsen-Anhalt „zwischen den Zeilen“ des öffentlichen Bildungsberichts. Und das, obwohl sie alle Teil der Geschichte sind und bleiben. Da plädieren wir für eine langfristige Grundbildungsstrategie für Erwachsene, die sich nicht nur an rückwärts blickenden Defiziten orientiert. Wir brauchen eine Strategie vor Ort, die diese Menschen sieht, und ihre Potentiale erschließen kann.

Photo credit: pixabay

Südafrika gewinnt den Unesco Konfuzius- Bildungspreis 2016

Das Exekutivbüro der UNESCO in Paris hat 2005 beschlossen, den „Konfuzius-Bildungspreis“ zu stiften. Mit dem Preis werden Politiker und Experten aller Länder ausgezeichnet, die sich um das Bildungs- und Kulturwesen herausragende Verdienste erworben haben. Dabei geht es insbesondere um Bildungsangebote, die das Lesen und Schreiben von Erwachsenen fördern.

Am 8. September 2016, zum 50. Weltalphabetisierungstag, wurde der Konfuziuspreis 2016 an drei Länder verliehen: Indien, Senegal und Südafrika.

sa-preisPreisträger ist eine nationale Kampagne

Der südafrikanische Preis ist für uns in Deutschland interessant, da er eine nationale Kampagne betrifft. Ähnlich wie in Deutschland, hatte das südafrikanische Bildungsministerium zu einer Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung aufgerufen und seit 2008 sehr aktiv die Kampagne unterstützt.

In einem Land, in dem 22 Millionen Menschen in Armut leben, hat die Kha Ri Gude Mass Literacy Campaign es geschafft, über 4,7 Millionen Männer und Frauen in Lernangebote zu vermitteln und sie dort auch zu halten. Das sind etwa 10% der Bevölkerung. Von den Teilnehmern der Kampagne, haben über 90% der Lernenden, die zum Teil vorher noch nie in der Schule waren, den Grundbildungskurs abgeschlossen.

Was ist das Erfolgsrezept?

Im Mittelpunkt der Kampagne stand eine erwachsenengerechte Methodik, feste Lernbeziehungen und ein klarer Lebensbezug.

Viele der Erwachsenen in der  Kha Ri Gude Mass Literacy Kampagne wohnen in ländlichen Gebieten, wo es wenig Schulen und keine Bibliotheken gibt. Mit rudimentärer Infrastruktur und relativ wenig Geld hat sich die Kampagne auf vorhandene Strukturen und Menschen als Ressource konzentriert. Es wurde in Hinterhöfen, Nutzgärten, Gemeindesälen und sogar überdachten Bushaltestellen gelernt. photo-credit-mountain-partnership-via-foter-com-cc-by-nc

Über  40 000 community-based coordinators haben auf Honorarbasis ehrenamtliche Lernpaten akquiriert und deren Einsatz in den Kommunen koordiniert. Diese wiederum haben sich -gegen eine geringe Aufwandsentschädigung- mit Unterstützung von Pädagogen, mit ihren Freund/innen und Nachbarn getroffen und sie durch ein zentral erstelltes, kostenloses Grundbildungsprogramm geführt. Durch das gemeinsame, dauerhafte Lernen wurden bestehende Gemeinschaften gestärkt. An vielen Orten hat das Lernen auch neue Initiativen zur Verbesserung der Lebensqualität mit sich gebracht. Mehr Information zu der Kampagne (in Englisch) gibt es hier.

Photo credit: Department of Education, South Africa, Mountain Partnership via Foter.com / CC BY-NC

Alternativ und Offen

In Sachsen-Anhalt werden Grundbildungsprojekte gefördert, die neue Lern-und Lehrerfahrungen, sowie neue Möglichkeiten der Ansprache entwickeln. (Mehr Information zu den Förderrichtlinien gibt es hier). Unklar jedoch ist, was „neu“ bedeutet. Andere Formulierungen, die in Bildungskreisen als Schlagwörter genutzt werden sind alternative Lernformen, offene Angebote, lebensnahes Lernen.  Auch diese helfen nur bedingt weiter: Alternativen zu was? Offen für wen? An welchem Leben orientiert?

Genau genommen sind alle Formulierungen eine implizite Reaktion auf schulisches Lernen. Dieses findet traditionell in festen, geschlossenen Kursstrukturen statt und orientiert sich an Inhalten und nicht an den Bedürfnissen der Lernenden. Erwachsene, die wieder mit dem Lernen anfangen, wollen meist nicht in diese Enge zurück.

Achim Scholz von der VHS Oldenburg hat Lernende aus Alphabetisierungskursen gefragt, wie sie sich ihren idealen Lernort vorstellen. Die Ergebnisse dieser Befragung hat er im Alfa-Forum, Nr 67 veröffentlicht. Gute Lernorte brauchen

Photo credit michaelkmak via DesignHunt_ CC BY-ND

  • einen schönen, ansprechenden Raum
  • helles warmes Licht
  • eine unterstützende, vertrauliche Atmosphäre
  • ein informelles, flexibles Angebot.

Viele Lernende suchen einen sicheren Ort in dem sie die negativen Lernerfahrungen aus der Schule überwinden können. Sie wollen sich  wohlfühlen. Es soll gemütlich, entspannend, locker sein.

Unsere eigenen Erfahrungen im Lesecafé Naumburg (offenes Angebot) und mit den Sprachpatenschaften für Zugewanderte (online Lerntreffs als alternative Lernform) haben diese Aussagen bestätigt. Hinzu kommt die Erfahrung, dass die verbindliche Beziehung zur Leitung des Lernangebots wesentlich ist.

  • Offen und doch vertraulich
  • Flexibel und doch verbindlich
  • Informell und doch klar strukturiert und zielorientiert

Damit birgt der Wunsch nach alternativen, offenen Angeboten eine Spannung, die sich im klassischen Kurssystem der Volkshochschulen nur schwer auflösen lässt.

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