Archiv für den Monat Februar 2016

Leicht gesagt

Amtliche Schreiben und Dokumente sind oft kompliziert verfasst und enthalten viele diffizile Fachbegriffe. Menschen sind damit häufig überfordert. Insbesondere Menschen mit unzureichender Schriftkompetenz sehen sich vor unüberwindbaren Hürden.

Mit dem neuen Gleichstellungsgesetz ab Januar 2018 werden Bundesbehörden verpflichtet, Texte auch in Leichter Sprache vorzuhalten. Bürger können dann von ihrem Recht Gebrauch machen, Informationen und Bescheide von Behörden in klarem, verständlichem Deutsch zu erhalten.

Die Leichte Sprache unterliegt einem Regelwerk, durch das Informationen einfach und klar dargestellt werden können, u.a. mit Hilfe kurzer Sätze, wenig Fremd- und Fachwörtern, der Vereinfachung von langen, zusammengesetzten Wörtern ( Schreibung mit Bindestrich), einer leicht lesbaren Schrift(-größe), zusätzlichen Bildererklärungen. Dieses Regelwerk wird herausgegeben vom Netzwerk Leichte Sprache.

Im Internet kann man viele Informationen und Seiten in Leichter Sprache finden, z.B.:

Sprache ermöglicht Teilhabe. Dabei darf sie für Bürgerinnen und Bürger in Bereichen des täglichen Lebens nicht unnötig kompliziert sein – und Hand aufs Herz: Freuen wir uns nicht alle über Informationen in einer klaren, verständlichen Sprache?

 

 

 

 

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Lernen auf den ersten Klick

Das Wissenschaftsjahr 2014 hat die Nutzung neuer Medien in Deutschland untersucht. Dabei traten u.a. folgende Ergebnisse zutage:

28.661.500 Menschen in Deutschland haben schon einmal ein E-Learning-Angebot genutzt. Das entspricht 35 Prozent der Bundesbürger. Bei den 14- bis 44-Jährigen hat sogar jeder zweite schon einmal mit Computer, Smartphone oder Tablet gelernt.

33.100.000 der in Deutschland lebenden Personen sind im Social Web aktiv.

62.827.440 Deutsche überraschten ihre Liebsten zu Weihnachten 2012 mit einem Geschenk aus dem Bereich Handy, digitale Medien und Internet. Am beliebtesten waren Guthaben für Handys und Smartphones.

Diese Zahlen zeigen uns, dass wir auch in der Grundbildung die neuen Medien mitdenken müssen. Zum einen können wir Online-Lernangebote stärker nutzen, da die Hemmschwelle zum E-Learning kleiner ist, als viele vielleicht meinen. Zum anderen ist der Umgang mit den neuen Medien auch eine Chance, wieder im Lesen und Schreiben fit zu werden.

Es ist Zeit, sich in der Grundbildung von dem klassischen Bild eines festen Kurses in einem Klassenraum zu verabschieden. Dort, wo Grundbildungszentren in Sachsen-Anhalt etabliert werden, sollte es sich zunehmend um offene Lernangebote handeln, die Folgendes bieten:

  • Attraktives, alltagsbezogenes Lernen
  • Den gezielten, effektiven Einsatz neuer Medien
  • Starke und stärkende Lerngemeinschaften

 

Wer zahlt?

Wer zahlt, wenn Erwachsene in Kurse gehen wollen, in denen Lesen und Schreiben geübt wird?
Der Bundesverband für Alphabetisierung und Grundbildung e.V. hat eine gute Zusammenfassung ins Netz gestellt. Es gibt verschiedene Möglichkeiten zur Finanzierung, auch wenn man keine Arbeit hat.

Wer einen Computer und Internet hat, kann auch kostenlos lernen. Viele Menschen nutzen die Online-Lernplattform Ich-will-lernen.de. Wenn sie auf dieser Plattform registriert sind, bekommen sie einen Online-Tutor von der VHS gestellt, der ihnen hilft.
Für Erwachsene, die noch nicht so gut Deutsch können, gibt es die Online-Lernplattform Ich-will-Deutsch-lernen.de. Auch dieses Angebot kostet nichts.

In der Nationalen Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung sollen die Angebote erweitert werden. Dabei sollen auch ESF-Mittel für die Grundbildung Erwachsener eingesetzt werden. Die Fördermittel werden von den einzelnen Bundesländern verwaltet und von Bildungsträgern beantragt, die dann offene Kurse für Betroffene anbieten können.

3000884104_d77dc2f8a5Leider ist der Verwaltungsaufwand für diese Fördermittel sehr groß. Daher wollen nur wenige Bildungsträger diese Gelder beantragen. Somit können auch nur vereinzelt kostenfreie Kurse angeboten werden.

Es wäre schade, wenn die Umsetzung der Dekade an der Bürokratie scheitern sollte – trotz vorhandener finanzieller Mittel.

 

 

 

Foto: HikingArtist.com via Foter.com / CC BY-NC-ND