Archiv des Autors: blickpunktalpha

Endlich! Die Bildungsrevolution kommt

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Gemeinsam Zukunft schreiben

Am 30.05.2018 veranstaltete das Projekt Blickpunkt alpha im Konrad-Martin-Haus seinen fünften Fachtag. Unter dem Titel „Gemeinsam Zukunft schreiben“ kamen zahlreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem Bereich Alphabetisierung und Grundbildung zu einem fachlichen Austausch zusammen.

Die gemeinsamen Gespräche richteten sich auf den „Lernort Leben“. Was bedeutet Lernen im Leben im Gegensatz zu Lernen in der Schule oder Lernen im Kurs? Welche Angebote unterstützen Erwachsene konkret, um im Leben lernen zu können? Welche Partner und Netzwerke braucht es dafür?

Der fachliche Beitrag von Heike Kölln-Prisner, Zentrum für Grundbildung der Volkshochschule Hamburg, bot eine Vielzahl von Eindrücken und Erfahrungen, wie Erwachsene mit Lese- und Schreibschwierigkeiten Unterstützung finden, um ihr Leben selbstbestimmt gestalten zu können. Die Teilnehmenden des Fachtags erhielten viele Impulse und neue Ideen für ihren eigenen Wirkungskreis. Entscheidend war die Einsicht, dass beim „Lernort Leben“ immer die würdige Teilhabe des Einzelnen im Mittelpunkt steht.

Im anschließenden Podium diskutierten Leiter regionaler Projekte über strukturelle Schwierigkeiten und finanzielle Herausforderungen in der Grundbildungsarbeit. So lange sich Grundbildung in Sachsen-Anhalt nur über ESF-Projekte finanziert, ist es sehr schwierig langfristige und nachhaltige Strategien zu entwickeln, die kommunale Grundbildung „im Leben“ verankern.

Lerner-Experten trugen in der offenen Diskussionsrunde sehr aktiv zum Gespräch bei. Sie fragten zu Recht, warum so wenig von dem Geld, das für die Dekade zur Verfügung steht, vor Ort, „im Leben“ ankommt. Während es für jedes Projekt feste Verwaltungsstellen gibt, sind die meisten Lehrkräfte auf Honorarbasis angestellt und unterbezahlt. Es muss einen Perspektivwechsel geben, so dass Grundbildung vom Leben her gedacht und geplant werden kann.

Der Austausch setzte sich in den Workshops am Nachmittag fort. Der erste Workshop zum Thema „Grundbildung geht uns alle an!“ (Leitung: Dr. Gisela Winkler, Projekt Blickpunkt alpha) legte den Fokus auf die Grundkompetenzen der Zukunft: Im digitalen Zeitalter gestaltet sich das Lernen nicht mehr linear, sondern flexibel und vernetzt. Der Lernbedarf kommt aus dem Leben und für Bildungsangebote reicht daher eine vorgegebene Kursstruktur nicht aus. Kursleiter müssen zu Lernbegleitern werden, die im Dialog mit Lernenden individuelle, multimediale Lernpfade konzipieren und begleiten können. Für einen Dialog auf Augenhöhe sind vor allem zwischenmenschliche Fähigkeiten gefragt, die nicht von Schriftkompetenzen abhängig sind.

Im zweiten Workshop zum Thema „Lernen im Leben!“ (Leitung: Heike Kölln-Prisner, Volkshochschule Hamburg) wurde insbesondere die Entwicklung von Selbsthilfe-Strukturen in den Blick genommen. Die Teilnehmenden waren sich einig, dass Grundbildungsangebote so gestaltet sein müssen, dass sie die Persönlichkeit des Einzelnen entwickeln und stärken. Auch verlässliche Partner und Verbündete vor Ort sind für die Angebotsentwicklung unerlässlich.

 

Der nächste regionale Fachtag findet im Mai 2019 statt.

Foto: Pixabay. Blickpunkt alpha

Alle machen mit!

Worum geht es bei Family Literacy?

Es geht um die Förderung von Sprachkompetenzen und Schrifterfahrungen in Familien,

Bei Kindern:

  • Basisfähigkeiten in Vorbereitung für das Lesen und Schreiben werden geübt.
  • Die kognitiven „versteckten“ Lesebausteine werden entwickelt und geübt.
  • Lesefreude und Vertrautheit mit Büchern wird unterstützt.
  • Die Beziehung zu den Eltern wird durch das gemeinsame Erleben gestärkt.

Bei Eltern:

  • Basisfähigkeiten bei der Unterstützung der Kinder zum Lernerfolg werden geübt.
  • Die Aufmerksamkeit für die kognitiven „versteckten“ Lesebausteine wird erhöht und geübt.
  • Die Vertrautheit mit den Erwartungen der Bildungseinrichtung wird unterstützt.
  • Die Beziehung zu den Kindern wird durch das gemeinsame Erleben gestärkt.
  • Eine neue Öffnung für das eigene Lernen wird möglich.

 

An wen richtet sich ein Familiy Literacy Angebot?

Ein gutes Family Literacy Angebot richtet sich an alle Eltern. Für alle Eltern ist es eine Herausforderung ihre Kinder beim Lernen zu unterstützen und es gibt sehr viele Eltern, die sich nicht trauen zu fragen. Je gelassener Eltern angesprochen und eingebunden werden, desto hilfreicher ist das Angebot.

Für Eltern, die es selber in der Schule schwer hatten, ist das Angebot noch einmal eine besondere Chance, ihren Kindern einen guten Start zu ermöglichen. Diese Eltern melden sich oft nicht freiwillig, weil sie „nichts Gutes“ erwarten. Die Erfahrung zeigt, dass eine direkte, freundliche Einladung und ein positives gemeinsames Erlebnis mit dem Kind mehr überzeugen als das beste Argument.

Was muss eine KITA oder eine Grundschule leisten, wenn sie ein Family Literacy Angebot machen möchte?

  • Mindestens 2 Mitarbeitende für das Konzept gewinnen, die sich in dem Thema schlau machen und bereit sind neue Methoden auszuprobieren.
  • Zeit und Räume einplanen für die Arbeit mit Eltern und Kindern
  • Zeit und Räume einplanen für die Themenarbeit mit Eltern und Gespräche
  • Gemeinsame außerschulische Aktivitäten ermöglichen

Eine KITA muss nicht unbedingt mehr Geld, Raum und Zeit für diese Arbeit haben. Wichtig ist es, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Das bedeutet vor allem, bestehende Ressourcen (z.B. Elterncafe´, Ausflugsbudget) mit dem „Mehrwert“ Literacy zu nutzen. Wenn bestehende Netzwerkpartner, wie „Lesepaten“ oder „Elternbegleiter“ mit ins Boot geholt werden, kann ein Family Literacy Projekt langfristig Mitarbeitende an der Einrichtung entlasten. Family Literacy bedeutet nicht unbedingt mehr, sondern anders!

Zwei erfolgreiche Family Literacy Ansätze in Deutschland sind das FLY Projekt Hamburg und das Fam.Lit Projekt in Oldenburg.

 

 

homo faber – verraten und verkauft?

Die zunehmende Digitalisierung der Gesellschaft wird in den Medien fast täglich thematisiert. Nun meldet sich der Städte- und Gemeindebund und empfiehlt Kommunen mit ihren Daten zu handeln. Daten seien der Rohstoff des 21. Jahrhunderts, und Kommunen sollten auf dieses wirtschaftliche Potenzial nicht verzichten.

Gesellschaft 4.0 lässt sich nicht abwehren und nicht aufhalten. Nun fragen wir uns, was es bedeutet, wenn die Verwaltung von Bürgerdaten papierlos wird und die Kommune diese Daten als Rohstoff sieht. Können wir schon absehen, was diese Veränderung uns abverlangt? Was bedeutet sie für die Grundbildungsbedarfe Erwachsener im Burgenlandkreis? Welche Kompetenzen brauchen wir als Bürger, um in einer digitalisierten Kommune selbstbestimmt leben zu können? Was müssen wir können, um den Datenfluss mitzugestalten, so dass wir Potenziale nutzen, aber auch unsere demokratischen Grundwerte erhalten bleiben? Welche sozialen Kompetenzen brauchen wir, um nicht nur Konsumenten unseres eigenen Lebens zu sein?

Wir haben die Grundkompetenzen der Zukunft, so wie sie im vohergehenden Beitrag formuliert sind, auf die konzeptionelle Matrix der Gesellschaft 4.0 gelegt und uns überlegt, welche Grundkompetenzen, welchen Pfeilern der neuen Ordnung zugeordnet werden können. Wir haben dabei auch auf frühere Blogbeiträge zum Thema Grundbildung 4.0 zurückgegriffen und in unseren Ansatz mit einfließen zu lassen.

Was muss ein homo faber des 21. Jahrhunders können? Welche Fähigkeiten sind die Basis, damit der Menschen als Wertschöpfer in einer prekären Informationsgesellschaft agieren kann?

Grundbildung für Teilhabe 4.0

(Pfeiler 1) Digital

  • Lesen, Schreiben, Rechnen
  • Multi-mediales Lernen und Arbeiten
  • Strategien, um komplexe Informationen zu werten und steuern

(Pfeiler 2) Global

  • Fremdsprachenkompetenz
  • Transfer zwischen Systemen (Meta-Skills)
  • Interkulturelle Wahrnehmung

(Pfeiler 3) Vernetzt

  • Initiative zeigen (unternehmerische Kompetenz)
  • Im Team arbeiten
  • Vernetztes Lernen und Arbeiten (offene Systeme)

(Pfeiler 4) Flexibel

  • Probleme der Lebenswelten erkennen und lösen
  • Selbstorganisation
  • Selbstwirksamkeit
  • Haltung des lebenslanges Lernens

Es war eine spannende Denkaufgabe, die uns vor allen Dingen deutlich gemacht hat, wie wichtig das interkontextuelle Arbeiten auf einer Meta-Ebene ist. Auch die zwischenmenschlichen Fähigkeiten, die bislang in unseren Bildungseinrichtungen als „soft skills“ gesehen werden, sind für die Bewältigung der Zukunft entscheidend.

Fotos: pixabay, pixelio