Alle machen mit!

Worum geht es bei Family Literacy?

Es geht um die Förderung von Sprachkompetenzen und Schrifterfahrungen in Familien,

Bei Kindern:

  • Basisfähigkeiten in Vorbereitung für das Lesen und Schreiben werden geübt.
  • Die kognitiven „versteckten“ Lesebausteine werden entwickelt und geübt.
  • Lesefreude und Vertrautheit mit Büchern wird unterstützt.
  • Die Beziehung zu den Eltern wird durch das gemeinsame Erleben gestärkt.

Bei Eltern:

  • Basisfähigkeiten bei der Unterstützung der Kinder zum Lernerfolg werden geübt.
  • Die Aufmerksamkeit für die kognitiven „versteckten“ Lesebausteine wird erhöht und geübt.
  • Die Vertrautheit mit den Erwartungen der Bildungseinrichtung wird unterstützt.
  • Die Beziehung zu den Kindern wird durch das gemeinsame Erleben gestärkt.
  • Eine neue Öffnung für das eigene Lernen wird möglich.

 

An wen richtet sich ein Familiy Literacy Angebot?

Ein gutes Family Literacy Angebot richtet sich an alle Eltern. Für alle Eltern ist es eine Herausforderung ihre Kinder beim Lernen zu unterstützen und es gibt sehr viele Eltern, die sich nicht trauen zu fragen. Je gelassener Eltern angesprochen und eingebunden werden, desto hilfreicher ist das Angebot.

Für Eltern, die es selber in der Schule schwer hatten, ist das Angebot noch einmal eine besondere Chance, ihren Kindern einen guten Start zu ermöglichen. Diese Eltern melden sich oft nicht freiwillig, weil sie „nichts Gutes“ erwarten. Die Erfahrung zeigt, dass eine direkte, freundliche Einladung und ein positives gemeinsames Erlebnis mit dem Kind mehr überzeugen als das beste Argument.

Was muss eine KITA oder eine Grundschule leisten, wenn sie ein Family Literacy Angebot machen möchte?

  • Mindestens 2 Mitarbeitende für das Konzept gewinnen, die sich in dem Thema schlau machen und bereit sind neue Methoden auszuprobieren.
  • Zeit und Räume einplanen für die Arbeit mit Eltern und Kindern
  • Zeit und Räume einplanen für die Themenarbeit mit Eltern und Gespräche
  • Gemeinsame außerschulische Aktivitäten ermöglichen

Eine KITA muss nicht unbedingt mehr Geld, Raum und Zeit für diese Arbeit haben. Wichtig ist es, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Das bedeutet vor allem, bestehende Ressourcen (z.B. Elterncafe´, Ausflugsbudget) mit dem „Mehrwert“ Literacy zu nutzen. Wenn bestehende Netzwerkpartner, wie „Lesepaten“ oder „Elternbegleiter“ mit ins Boot geholt werden, kann ein Family Literacy Projekt langfristig Mitarbeitende an der Einrichtung entlasten. Family Literacy bedeutet nicht unbedingt mehr, sondern anders!

Zwei erfolgreiche Family Literacy Ansätze in Deutschland sind das FLY Projekt Hamburg und das Fam.Lit Projekt in Oldenburg.

 

 

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homo faber – verraten und verkauft?

Die zunehmende Digitalisierung der Gesellschaft wird in den Medien fast täglich thematisiert. Nun meldet sich der Städte- und Gemeindebund und empfiehlt Kommunen mit ihren Daten zu handeln. Daten seien der Rohstoff des 21. Jahrhunderts, und Kommunen sollten auf dieses wirtschaftliche Potenzial nicht verzichten.

Gesellschaft 4.0 lässt sich nicht abwehren und nicht aufhalten. Nun fragen wir uns, was es bedeutet, wenn die Verwaltung von Bürgerdaten papierlos wird und die Kommune diese Daten als Rohstoff sieht. Können wir schon absehen, was diese Veränderung uns abverlangt? Was bedeutet sie für die Grundbildungsbedarfe Erwachsener im Burgenlandkreis? Welche Kompetenzen brauchen wir als Bürger, um in einer digitalisierten Kommune selbstbestimmt leben zu können? Was müssen wir können, um den Datenfluss mitzugestalten, so dass wir Potenziale nutzen, aber auch unsere demokratischen Grundwerte erhalten bleiben? Welche sozialen Kompetenzen brauchen wir, um nicht nur Konsumenten unseres eigenen Lebens zu sein?

Wir haben die Grundkompetenzen der Zukunft, so wie sie im vohergehenden Beitrag formuliert sind, auf die konzeptionelle Matrix der Gesellschaft 4.0 gelegt und uns überlegt, welche Grundkompetenzen, welchen Pfeilern der neuen Ordnung zugeordnet werden können. Wir haben dabei auch auf frühere Blogbeiträge zum Thema Grundbildung 4.0 zurückgegriffen und in unseren Ansatz mit einfließen zu lassen.

Was muss ein homo faber des 21. Jahrhunders können? Welche Fähigkeiten sind die Basis, damit der Menschen als Wertschöpfer in einer prekären Informationsgesellschaft agieren kann?

Grundbildung für Teilhabe 4.0

(Pfeiler 1) Digital

  • Lesen, Schreiben, Rechnen
  • Multi-mediales Lernen und Arbeiten
  • Strategien, um komplexe Informationen zu werten und steuern

(Pfeiler 2) Global

  • Fremdsprachenkompetenz
  • Transfer zwischen Systemen (Meta-Skills)
  • Interkulturelle Wahrnehmung

(Pfeiler 3) Vernetzt

  • Initiative zeigen (unternehmerische Kompetenz)
  • Im Team arbeiten
  • Vernetztes Lernen und Arbeiten (offene Systeme)

(Pfeiler 4) Flexibel

  • Probleme der Lebenswelten erkennen und lösen
  • Selbstorganisation
  • Selbstwirksamkeit
  • Haltung des lebenslanges Lernens

Es war eine spannende Denkaufgabe, die uns vor allen Dingen deutlich gemacht hat, wie wichtig das interkontextuelle Arbeiten auf einer Meta-Ebene ist. Auch die zwischenmenschlichen Fähigkeiten, die bislang in unseren Bildungseinrichtungen als „soft skills“ gesehen werden, sind für die Bewältigung der Zukunft entscheidend.

Fotos: pixabay, pixelio

 

 

Eine Grundbildungsstrategie für den Burgenlandkreis

Ein Diskussions- und Arbeitspapier

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Der Bund hat die Ergebnisse der leo.-Level -One Studie (2011) der Universität Hamburg zum Anlass genommen, Alphabetisierung und Grundbildung als wichtige Säule der Erwachsenenbildung zu verankern. In Abstimmung mit den Ländern werden seit 2013 Umsetzungsberichte zur Nationalen Strategie für Alphabetisierung und Grundbildung vorgelegt. Sie formulieren Umsetzungs-empfehlungen wie (1) den flächendeckenden Ausbau von Alphabetisierungs-und Grundbildungsangeboten, (2) die Schaffung neuer Strukturen und Netzwerke, mit denen für die Thematik in der Fachöffentlichkeit sensibilisiert wird, (3) die Weiterentwicklung von Beratungssystemen für Erwachsene und ihr Umfeld und (4) die Einrichtung von Kontakt- und Fachstellen in den Ministerien sowie den Landesverbänden der Volkshochschulen.

Grundbildung und lebenslanges Lernen

Der Blick auf die Realitäten des 21. Jahrhunderts macht allerdings deutlich,  dass der Begriff Grundbildung nicht mehr nur die Grundkompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen im engeren Sinne meinen kann. Vom Leben her gedacht, reicht es nicht mehr aus Lesen, Schreiben und Rechnen zu können. Die globalen und vielfältigen Informationssysteme, die die heutigen sozialen und wirtschaftlichen Vernetzungen ermöglichen, setzten weitere Fähigkeiten voraus. Diese ermöglichen es uns, mit komplexeren Informationssystemen umzugehen. Bereits 2006 definierten das Europäische Parlament und der Rat den Grundbildungserwerb als lebenslangen Lernprozess. Dabei benannte es mit acht Schlüsselkompetenzen die Grundkompetenzen der Zukunft:

  1. Muttersprachliche Kompetenz
  2. Fremdsprachliche Kompetenz
  3. Mathematische und naturwissenschaftlich-technische Kompetenz
  4. Computerkompetenz
  5. Lernkompetenz
  6. Soziale Kompetenz und Bürgerkompetenz
  7. Eigeninitiative und unternehmerische Kompetenz
  8. Kulturbewusstsein und kulturelle Ausdrucksfähigkeit

Eine ähnliche Kompetenzbeschreibung nimmt die Skills-Strategie der OECD vor:

  1. Lesen, Schreiben, Rechnen
  2. Multi-mediales Lernen
  3. Strategien, um Informationen auszuwerten und zu aktualisieren
  4. Probleme der Lebenswelten erkennen und lösen
  5. im Team arbeiten
  6. Selbstorganisation und Selbstwirksamkeit
  7. vernetztes lebenslanges Lernen

Lebenslanges Lernen ist also zu einer Notwendigkeit für alle Bürger geworden. Erwachsene müssen Fertigkeiten und Kompetenzen während ihres gesamten Lebens weiterentwickeln – sowohl, um sich persönlich entfalten und aktiv an der Gesellschaft teilhaben zu können, als auch zur Erhaltung ihrer Beschäftigungsfähigkeit in einer ständig im Wandel befindlichen Arbeitswelt.

Der rasche Wandel, die kontinuierliche Einführung neuer Technologien und die zunehmende Internationalisierung zeigen die Komplexität und Mehrdeutigkeit unserer modernen Zeit auf, aber auch die damit einhergehende Wahrnehmung einer unbeständigen und unsicheren Welt.

Erwachsene sind gefordert, nicht nur ihre berufsspezifischen Fertigkeiten auf dem aktuellen Stand zu halten, sondern auch über allgemeine Kompetenzen zu verfügen, die ihnen die Anpassung an den Wandel ermöglichen. Dies schließt auch neue Kompetenzen zur Bewältigung der digitalen Welt ein. Dabei sind technische Kompetenzen ebenso gemeint wie ein Verständnis von Chancen und Herausforderungen, die neue Technologien mit sich bringen. Erwachsene, die sich aus eigener Initiative dieser Herausforderung des lebenslangen Lernens nicht stellen mögen oder können, kommen zunehmend in Situationen, in denen ihre grundsätzlichen Fähigkeiten nicht ausreichen, um im Alltag in der Gesellschaft zu bestehen.

Laut leo.-Level One Studie, die dieses Phänomen in Deutschland mit statistisch belastbaren Zahlen unterlegt hat, können mehr als 7.5 Millionen Erwachsene in Deutschland nicht ausreichend lesen und schreiben, um schriftlich unabhängig zu sein und die anstehenden Veränderungen zu bewältigen. Dabei gilt die Definition des funktionalen Analphabeten, der zwar alphabetisiert ist, aber in seinen Textfähigkeiten auf der Satzebene große Schwierigkeiten hat.

Für Sachsen-Anhalt wird, laut leo.- Studie, der Grundbildungsbedarf Erwachsener durch folgenden Zahlen greifbar:

Satzebene und weniger

(14,5%)

Einfache Texte mit Schwierigkeiten (25,9%)
BRD 7.500.000 13.300.000
LSA 200.000 366.217
BLK     16.466   30.151

Auf eine Einwohnerzahl von etwa 184 000 Einwohnern, kommen im Burgenlandkreis 46 567 Erwachsene, die Probleme beim Lesen und Schreiben haben, und auf Texte mit Grundschulniveau angewiesen sind. Das Auffrischen ihrer Grundkenntnisse im Lesen, Schreiben und Rechnen, sind dennoch nur ein Aspekt des Grundbildungsbedarfs in unserem Landkreis. Eine sinnvolle Definition von Grundbildung orientiert sich zusätzlich an den beruflichen und gesellschaftlichen Realitäten und den damit zusammenhängenden anwendungspraktischen Herausforderungen in Gegenwart und Zukunft.

Es braucht ein neues und flexibles Grundbildungsverständnis, das Erwachsene zur persönlichen Entfaltung, sozialen Integration, aktiven Bürgerschaft und Beschäftigungsfähigkeit in der modernen wissensbasierten Gesellschaft befähigt. Dabei sind vor allem die vielen Übergänge in den zunehmend prekären Lebensbedingungen zu beachten. Erwachsenen- und Weiterbildungssysteme müssen geringe Schriftsprachenkompetenzen berücksichtigen und somit allen Erwachsenen die Gelegenheit geben, die Fertigkeiten und Kompetenzen tatsächlich zu erwerben – und dauerhaft zu erhalten! Zusätzlich müssen Bildungs- und Berufsbildungssysteme in der Lage sein,  junge Menschen entsprechend zu fördern. Diese Aufgaben sind nur langfristig zu bewältigen. Daher sollte Grundbildung Erwachsener nicht nur in der Arbeitsmarktpolitik aktiv mitgestaltet werden, sondern auch einen wichtigen Pfeiler der Bildungsstrategie des Landkreises bilden.

 

100 Jahre Frauenwahlrecht

Ab März 2018 präsentiert das Konrad-Martin-Haus die Ausstellung „Würde. Selbst. Wählen“.

In Zusammenarbeit mit der Berliner Fotografin Sabine Felber entstand 2017 eine multimediale Ausstellung mit 28 Frauenportraits. Anlässlich 100 Jahre Frauenwahlrecht haben Frauen aus dem Burgenlandkreis ihre Gedanken zu Würde und Wahlrecht formuliert.

Die Ausstellung ist ein Versuch, Grundbildung in den öffentlichen Raum zu tragen und ein Nachdenken über Teilhabe anzuregen. Sie wird am 2. März 2018 im Museum Weißenfels eröffnet und ab Mai an weiteren Orten im Burgenlandkreis zu sehen sein. Finanziert wird das Projekt aus Mitteln des Bundesprogramms Demokratie leben! und durch die Heimvolkshochschule Konrad-Martin-Haus.

Eine herzliche Einladung!