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Wir denken darüber nach, wie die neuen Medien das Lesen und Schreiben beeinflussen. Welche Veränderungen nehmen wir wahr?

Lernen auf den ersten Klick

Das Wissenschaftsjahr 2014 hat die Nutzung neuer Medien in Deutschland untersucht. Dabei traten u.a. folgende Ergebnisse zutage:

28.661.500 Menschen in Deutschland haben schon einmal ein E-Learning-Angebot genutzt. Das entspricht 35 Prozent der Bundesbürger. Bei den 14- bis 44-Jährigen hat sogar jeder zweite schon einmal mit Computer, Smartphone oder Tablet gelernt.

33.100.000 der in Deutschland lebenden Personen sind im Social Web aktiv.

62.827.440 Deutsche überraschten ihre Liebsten zu Weihnachten 2012 mit einem Geschenk aus dem Bereich Handy, digitale Medien und Internet. Am beliebtesten waren Guthaben für Handys und Smartphones.

Diese Zahlen zeigen uns, dass wir auch in der Grundbildung die neuen Medien mitdenken müssen. Zum einen können wir Online-Lernangebote stärker nutzen, da die Hemmschwelle zum E-Learning kleiner ist, als viele vielleicht meinen. Zum anderen ist der Umgang mit den neuen Medien auch eine Chance, wieder im Lesen und Schreiben fit zu werden.

Es ist Zeit, sich in der Grundbildung von dem klassischen Bild eines festen Kurses in einem Klassenraum zu verabschieden. Dort, wo Grundbildungszentren in Sachsen-Anhalt etabliert werden, sollte es sich zunehmend um offene Lernangebote handeln, die Folgendes bieten:

  • Attraktives, alltagsbezogenes Lernen
  • Den gezielten, effektiven Einsatz neuer Medien
  • Starke und stärkende Lerngemeinschaften

 

Wer zahlt?

Wer zahlt, wenn Erwachsene in Kurse gehen wollen, in denen Lesen und Schreiben geübt wird?
Der Bundesverband für Alphabetisierung und Grundbildung e.V. hat eine gute Zusammenfassung ins Netz gestellt. Es gibt verschiedene Möglichkeiten zur Finanzierung, auch wenn man keine Arbeit hat.

Wer einen Computer und Internet hat, kann auch kostenlos lernen. Viele Menschen nutzen die Online-Lernplattform Ich-will-lernen.de. Wenn sie auf dieser Plattform registriert sind, bekommen sie einen Online-Tutor von der VHS gestellt, der ihnen hilft.
Für Erwachsene, die noch nicht so gut Deutsch können, gibt es die Online-Lernplattform Ich-will-Deutsch-lernen.de. Auch dieses Angebot kostet nichts.

In der Nationalen Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung sollen die Angebote erweitert werden. Dabei sollen auch ESF-Mittel für die Grundbildung Erwachsener eingesetzt werden. Die Fördermittel werden von den einzelnen Bundesländern verwaltet und von Bildungsträgern beantragt, die dann offene Kurse für Betroffene anbieten können.

3000884104_d77dc2f8a5Leider ist der Verwaltungsaufwand für diese Fördermittel sehr groß. Daher wollen nur wenige Bildungsträger diese Gelder beantragen. Somit können auch nur vereinzelt kostenfreie Kurse angeboten werden.

Es wäre schade, wenn die Umsetzung der Dekade an der Bürokratie scheitern sollte – trotz vorhandener finanzieller Mittel.

 

 

 

Foto: HikingArtist.com via Foter.com / CC BY-NC-ND

Nur Mut!

Online-Banner Nur Mut

 

„Nur Mut! Der nächste Schritt lohnt sich.“ Mit dieser Öffentlichkeitskampagne startet das Bundesministerium für Bildung und Forschung in das neue Jahr. Sie ist der Auftakt zur Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung. Die neue Kampagne will betroffene Menschen motivieren, den Schritt in die Weiterbildung zu gehen.
Die Botschaft der Kampagne fordert uns auf, besser Lesen und Schreiben zu lernen. Damit richtet sich die Kampagne vor allem an Erwachsene in Deutschland, die sich auf Alpha-Level 3 oder 4 befinden. Laut der leo.-Level 1 Studie aus dem Jahr 2011 ist klar, dass fast 40% aller Erwachsenen in Deutschland mit Texten nicht fehlerfrei umgehen. Gerade längere Texte oder Behördenschreiben sind für viele ein Problem.

Dazu kommt die Erfahrung, dass im Leben die mündliche und schriftliche Leistung immer mehr auseinanderklafft. Kein Mensch macht aus Alltagsfragen eine Leseübung! Wir neigen eher dazu uns – mit Hilfe der neuen Medien – den effizienten Informationsweg zu wählen. Hier werden kurze Texte oft mit Bildern, Videos oder mündlichen Informationen ergänzt. So haben viele Menschen, ohne dass es ihnen bewusst wird, immer weniger mit längeren Texten zu tun. Langsam und unbemerkt verlernen sie das Lesen und Schreiben.
Wer merkt, dass er im Schriftlichen nicht mehr so fit ist, wie er es früher war, braucht sich nicht zu schämen. Durch die schnellen Veränderungen in der Gesellschaft müssen alle immer weiter lernen. Für Erwachsene gibt es daher immer einen Grundbildungsbedarf. Lesen und Schreiben neu zu üben gehört mit dazu. In diesem Sinne macht die Kampagne uns allen Mut.

Hilfreiche Definitionen

Unter Grundbildung wird noch immer viel zu oft das Erlenen der Schrift verstanden. Laut nationaler Strategie  sollte der Fokus aber viel breiter sein. Ein Umdenken ist erforderlich. Hierzu zwei hilfreiche Definitionen von Kai Sterzenbach:

  • Grundbildung: die Minimalvoraussetzungen an Wissen, Kenntnissen, Fertigkeiten und Kompetenzen, die für eine Orientierung, aktives Handeln und Teilhabe an der Gesellschaft notwendig sind
  • Literacy: die Kompetenz und Verhaltensweise, schriftliche Informationen im täglichen Gebrauch – zu Hause, bei der Arbeit und in der Gemeinschaft – zu verstehen und zu nutzen

Die Definitionen helfen uns zwei unterschiedliche und doch zusammenhängende Entwicklungen in der Bildungslandschaft zu erkennen. Wenn es im engen Sinne um die Schriftsprachenkompetenz (Literacy) geht, wird in der heutigen Gesellschaft vieles einfacher.

13621844893_5253d9a327_cDurch die neuen Medien entstehen viele neue Zugänge zu Informationen im Beruf und auch zu Hause. Wer nicht gut lesen und schreiben kann, weiß sich schnell zu helfen. Videos und Sprechfunktionen auf dem PC und dem Smartphone lassen die schriftlichen und mündlichen Kommunikationsformen fließend in einander übergehen. Kochrezepte werden auf You-Tube nachgekocht, Einkaufslisten ins Handy gesprochen, Notizen und Briefe abfotografiert. Auch längere Texte aus dem Internet können vorgelesen und sogar übersetzt werden. Inzwischen gibt es außer Lesen und Schreiben viele Alternativen im Alltag, um an die Information zu kommen, die man braucht.

Photo credit: Ed Yourdon via Foter.com / CC BY-NC-SA

Der Fluss an Information, der durch die neuen Medien möglich wird, bedeutet aber auch, dass wir mehr wissen müssen. Ständig steigen die Anforderungen in der Gesellschaft und auf dem Arbeitsmarkt. Die Bildungswege werden komplexer und damit auch die Grundvoraussetzungen, die wir als Erwachsene brauchen, um am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können. Wer sich nur auf seine Schulbildung und Erstausbildung verlässt, ist bald abgehängt.

Grundbildung für Erwachsene sollten wir also nicht nur am Lesen und Schreiben festmachen. Die Schriftsprachenkompetenz ist zweifellos ein wichtiger Schlüssel zu der komplexen Welt, in der wir leben. Es kommt aber noch einiges dazu: die Rechenfähigkeit und finanzielle Grundkompetenzen, zum Beispiel. Wir brauchen auch eine grundsätzliche Gesundheitsbildung, flexible soziale Kompetenzen und auch eine ständig wachsende Medienkompetenz. Ohne diese können wir nicht eigenverantwortlich am gesellschaftlichen, kulturellen und beruflichen Leben teilnehmen.