Archiv der Kategorie: Neue Medien

Wir denken darüber nach, wie die neuen Medien das Lesen und Schreiben beeinflussen. Welche Veränderungen nehmen wir wahr?

Nur Mut!

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„Nur Mut! Der nächste Schritt lohnt sich.“ Mit dieser Öffentlichkeitskampagne startet das Bundesministerium für Bildung und Forschung in das neue Jahr. Sie ist der Auftakt zur Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung. Die neue Kampagne will betroffene Menschen motivieren, den Schritt in die Weiterbildung zu gehen.
Die Botschaft der Kampagne fordert uns auf, besser Lesen und Schreiben zu lernen. Damit richtet sich die Kampagne vor allem an Erwachsene in Deutschland, die sich auf Alpha-Level 3 oder 4 befinden. Laut der leo.-Level 1 Studie aus dem Jahr 2011 ist klar, dass fast 40% aller Erwachsenen in Deutschland mit Texten nicht fehlerfrei umgehen. Gerade längere Texte oder Behördenschreiben sind für viele ein Problem.

Dazu kommt die Erfahrung, dass im Leben die mündliche und schriftliche Leistung immer mehr auseinanderklafft. Kein Mensch macht aus Alltagsfragen eine Leseübung! Wir neigen eher dazu uns – mit Hilfe der neuen Medien – den effizienten Informationsweg zu wählen. Hier werden kurze Texte oft mit Bildern, Videos oder mündlichen Informationen ergänzt. So haben viele Menschen, ohne dass es ihnen bewusst wird, immer weniger mit längeren Texten zu tun. Langsam und unbemerkt verlernen sie das Lesen und Schreiben.
Wer merkt, dass er im Schriftlichen nicht mehr so fit ist, wie er es früher war, braucht sich nicht zu schämen. Durch die schnellen Veränderungen in der Gesellschaft müssen alle immer weiter lernen. Für Erwachsene gibt es daher immer einen Grundbildungsbedarf. Lesen und Schreiben neu zu üben gehört mit dazu. In diesem Sinne macht die Kampagne uns allen Mut.

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Hilfreiche Definitionen

Unter Grundbildung wird noch immer viel zu oft das Erlenen der Schrift verstanden. Laut nationaler Strategie  sollte der Fokus aber viel breiter sein. Ein Umdenken ist erforderlich. Hierzu zwei hilfreiche Definitionen von Kai Sterzenbach:

  • Grundbildung: die Minimalvoraussetzungen an Wissen, Kenntnissen, Fertigkeiten und Kompetenzen, die für eine Orientierung, aktives Handeln und Teilhabe an der Gesellschaft notwendig sind
  • Literacy: die Kompetenz und Verhaltensweise, schriftliche Informationen im täglichen Gebrauch – zu Hause, bei der Arbeit und in der Gemeinschaft – zu verstehen und zu nutzen

Die Definitionen helfen uns zwei unterschiedliche und doch zusammenhängende Entwicklungen in der Bildungslandschaft zu erkennen. Wenn es im engen Sinne um die Schriftsprachenkompetenz (Literacy) geht, wird in der heutigen Gesellschaft vieles einfacher.

13621844893_5253d9a327_cDurch die neuen Medien entstehen viele neue Zugänge zu Informationen im Beruf und auch zu Hause. Wer nicht gut lesen und schreiben kann, weiß sich schnell zu helfen. Videos und Sprechfunktionen auf dem PC und dem Smartphone lassen die schriftlichen und mündlichen Kommunikationsformen fließend in einander übergehen. Kochrezepte werden auf You-Tube nachgekocht, Einkaufslisten ins Handy gesprochen, Notizen und Briefe abfotografiert. Auch längere Texte aus dem Internet können vorgelesen und sogar übersetzt werden. Inzwischen gibt es außer Lesen und Schreiben viele Alternativen im Alltag, um an die Information zu kommen, die man braucht.

Photo credit: Ed Yourdon via Foter.com / CC BY-NC-SA

Der Fluss an Information, der durch die neuen Medien möglich wird, bedeutet aber auch, dass wir mehr wissen müssen. Ständig steigen die Anforderungen in der Gesellschaft und auf dem Arbeitsmarkt. Die Bildungswege werden komplexer und damit auch die Grundvoraussetzungen, die wir als Erwachsene brauchen, um am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können. Wer sich nur auf seine Schulbildung und Erstausbildung verlässt, ist bald abgehängt.

Grundbildung für Erwachsene sollten wir also nicht nur am Lesen und Schreiben festmachen. Die Schriftsprachenkompetenz ist zweifellos ein wichtiger Schlüssel zu der komplexen Welt, in der wir leben. Es kommt aber noch einiges dazu: die Rechenfähigkeit und finanzielle Grundkompetenzen, zum Beispiel. Wir brauchen auch eine grundsätzliche Gesundheitsbildung, flexible soziale Kompetenzen und auch eine ständig wachsende Medienkompetenz. Ohne diese können wir nicht eigenverantwortlich am gesellschaftlichen, kulturellen und beruflichen Leben teilnehmen.