Gefühlt – beschämt – tabu

Laut der Hamburger Umfeldstudie kennen fast 40% der Befragten jemanden, dem Lesen und Schreiben schwerfällt. Dennoch sprechen viele das Thema nur ungern an. Auch in unserer Arbeit mit Einrichtungen und Behörden ist uns immer wieder aufgefallen, dass Mitarbeiter zwar merken, dass ein Kunde nicht gut lesen und schreiben kann, aber nicht offen auf diese Situation reagieren. So entsteht eine tabuisierende Mitwisserschaft. Während die Mitarbeitenden es vermeiden, mit Kunden über ihre Schwäche zu sprechen, versuchen die Kunden diese Schwäche zu verbergen. Beide Seiten empfinden Scham. Um sich nicht bloßzustellen, schaffen sie ein Tabu.

Diese doppelseitige Dynamik hat zur Folge, dass wir bei unseren Sensibilisierungsveranstaltungen nicht nur über die Scheu der Betroffenen sprechen müssen. Die Schamgefühle der Mitarbeitenden sind ein großer Teil des Problems. Sie blockieren genauso stark die Kommunikation und tragen damit zur Tabuisierung des Themas in der Gesellschaft bei.

Stephan Marks ist ein Sozialwissenschaftler, der die Ursachen von Schamgefühlen im öffentlichen Raum untersucht hat. In dem folgenden kurzen Film erklärt er, wie diese Schamgefühle entstehen.

Wer, wie BLICKPUNKT alpha, den Auftrag hat, das Thema Alphabetisierung und Grundbildung für Erwachsene zu „ent-tabuisieren“, sollte also mehr leisten, als das Thema in die Öffentlichkeit zu tragen.  Zur Bewusstseinsbildung gehört auch, die Werte der Gesellschaft unter die Lupe zu nehmen, und öffentlich über die Differenz zwischen Erwartung und Wirklichkeit nachzudenken.

 

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