Triff die Wahl!

 

Am Sonntag, den 13. März sind Wahlen in Sachsen-Anhalt. Mit Flyern und Werbesprüchen werden wir ermutigt, die Politik in unserem Bundesland demokratisch mitzugestalten. Das ist aber leichter gesagt als getan. Für die Menschen, die nicht gut lesen und schreiben können, kann der Weg ins Wahllokal eine Herausforderung sein.

Schon vor drei Jahren hat die Bundestagsfraktion der SPD gefordert, dass die Wahlzettel mit Bildern von Kandidaten gedruckt werden sollen. Dies würde den 7,5 Millionen funktionalen Analphabeten in Deutschland die politische Teilhabe erleichtern.

In einem Zeitungsinterview sah Peter Hubertus vom Bundesverband für Alphabetisierung und Grundbildung den Vorschlag damals eher kritisch. „Ein Logo oder ein Foto ist ja allenfalls eine Krücke, um eine konkrete Anforderung zu bewältigen. Es geht eher darum, dass Menschen befähigt werden, auch komplexere Herausforderungen anzunehmen, bei denen sie doch lesen und schreiben besser beherrschen sollten.“ – Peter Hubertus. Mit Bildern auf dem Wahlzettel mache es sich die Politik zu leicht. „… der entscheidende Punkt ist, wie will man eine begründete Wahlentscheidung treffen, wenn jemand nicht lesen und nicht schreiben kann?“ Die Bildungsaufgabe des Staates setze lange vor der Wahl schon an.

Auch heute noch sind diese Fragen relevant. Laut der leo.–Studie (2011) der Uni Hamburg sind fast 40% der wahlberechtigten Bürger in Deutschland mit längeren, komplexen Texten überfordert. Ohne politische Grundbildung für diese Menschen kann eine Wahl nicht wirklich demokratisch sein.
In Sachsen-Anhalt hat die Landeszentrale für politische Bildung ein Informationsheft in Leichter Sprache herausgegeben. In diesem Heft wird erklärt, wie die Landtagswahl funktioniert. Leider wissen die meisten Menschen nicht, dass es solche Informationshefte gibt. Auch wir haben trotz Vorwissen sehr gezielt suchen müssen, um den Link überhaupt zu finden.

Bei den inhaltlichen Fragen zur Wahl sieht es nicht viel besser aus. Die wenigsten Parteien haben sich die Mühe gemacht, ihr Wahlprogramm so zu gestalten, dass Menschen mit Leseschwierigkeiten sich leichter informieren können. Welche Parteien überhaupt Informationen in Leichter Sprache haben, sehen Sie hier.

Unsere Recherchen zeigen sehr deutlich, dass die Politik die Lage der Erwachsenen mit Lese-und Schreibschwierigkeiten nicht ernst nimmt. Sie nimmt auch ihre Teilhabe in unserer Demokratie nicht ernst. Ob die einzelnen Politiker in Sachsen-Anhalt überhaupt wissen, dass Sie Millionen potenzielle Stimmen verschenken?

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